Thomas Koch
Gesellschaftswissenschaften kompetent vermitteln!

Das Misereor-Partnerprojekt der Oberschule Badenhausen: Waldgärten - ein neues Fundament für Haiti

Seit 2017 ist die Oberschule Badenhausen eine von 16 bundesweiten Partnerschulen des Bischöflichen Hilfswerks Misereor. Seit Beginn der Partnerschaft legt die Schule einen Schwerpunkt ihrer Unterstützung in das Partnerprojekt „Waldgärten – ein neues Fundament für Haiti“. Hierfür bietet die Schule in jedem Schuljahr einen Wahlpflichtkurs an, der sich inhaltlich mit Misereor, dem Partnerprojekt beschäftigt, Spenden generiert und Informationsveranstaltungen erstellt und durchführt.

Haiti ist eines der ärmsten Länder der Erde und liegt auf der Insel Hispaniola. Die Insel teilt sich Haiti mit der Dominikanischen Republik. Hispaniola, damit auch Haiti, liegt in der Karibik, die Teil des Atlantischen Ozeans ist. Als Nachbarn hat Haiti beispielsweise Kuba, Mexiko oder auch die USA. Die Hauptstadt von Haiti ist Port-au-Prince und als ehemalige französische Kolonie spricht man in Haiti Französisch. In Haiti leben ungefähr 10 Millionen Menschen. Ganz genau weiß man das jedoch nicht, da Haiti kein funktionierender Staat ist. Das bedeutet, eine Infrastruktur, so wie wir sie in Deutschland kennen, gibt es dort fast gar nicht. So gibt es beispielsweise nur eine geteerte Straße. Alle übrigen Straßen sind Lehm- oder Schotterpisten. Auch gibt es kaum Krankenhäuser oder Ärzte oder Schulen. Daher ist fast jeder zweite Haitianer Analphabet und kann nicht lesen und nicht schreiben. Für ein Land sind das natürlich schlechte Voraussetzungen. Denn es bedeutet, dass es auch kaum Ärzte, Lehrer, Ingenieure oder Architekten gibt. Daher kann auch keine funktionierende Infrastruktur aufgebaut werden. Auch Industriebetriebe und damit Arbeitsplätze fehlen in Haiti. So sind die meisten Haitianer arbeitslos.

Doch Haiti hat noch weitere Probleme. Da es kaum Strom- oder Gasanschlüsse gibt, ist Holz der traditionelle und hauptsächliche Energieträger. Daher ist ein Großteil der Wälder Haitis mittlerweile abgeholzt. Da die Nachfrage nach Holz so groß ist, können sich die Wälder nicht mehr regenerieren.

Zudem leben rund 90 Prozent der Haitianer von der Landwirtschaft. Und um landwirtschaftliche Nutzflächen zu erhalten, roden sie weitere Waldflächen ab.

Doch dies hat Folgen: die Pflanzendecke kann den Erdboden nicht mehr halten. Durch Winde und Regen wird der fruchtbare Boden abgetragen, sodass die Felder kaum noch Ertrag bringen. Haiti ist daher nicht mehr in der Lage, sich selbst zu versorgen und ist auf Lebensmittellieferungen aus dem Ausland angewiesen.

Viele Haitianer ziehen daher in die Slums der Hauptstadt Port-au-Prince in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden. Doch die meisten werden enttäuscht und leben in Unterkünften aus Müllresten. Fließendes Wasser, Toiletten, Abflüsse oder Strom gibt es nicht. Alle Menschen versorgen sich aus einem Fluss mit Wasser, in dem auch der Müll geschmissen und die Abwässer eingeleitet werden. Die Menschen leben von Gelegenheitsjobs, müssen betteln oder gar stehlen gehen. Das reicht alles zusammen gerade so zum Überleben.

Doch hier setzt das von Misereor unterstütze Partnerprojekt „Waldgärten – ein neues Fundament für Haiti“ an. Noch bevor Kleinbauern in die Slums abwandern, erhalten sie Bildung und Hilfe, um sich zu Genossenschaften zusammenzuschließen. Gemeinsam legen sie dann Erosionsschutzmauern und Waldgärten an. Dafür pflanzen sie zunächst Bäume. Dabei nehmen sie überwiegend Bäume, von denen sie auch wieder profitieren können: Mango-Bäume oder Bananen-Bäume, aber auch Bäume, deren Holz sie verkaufen können. Die Flächen zwischen den Bäumen nutzen sie zum Anbau ihrer Feldfrüchte: Maniok, Süßkartoffeln, Bohnen und vieles mehr.

Damit sind die Familien der Kleinbauern nicht nur gut versorgt, sondern erzielen sogar einen Überschuss, den sie auf dem heimischen Markt verkaufen können. So verdienen die Kleinbauern nicht nur genug, um sich selbst zu versorgen, sondern können auch Überschüsse erzielen, die sie in neue Anbaumethoden oder modernere Gerätschaften investieren.

Die Schülerinnen und Schüler der Oberschule Badenhausen generieren für dieses Projekt Spenden, indem sie selbst gebackene Muffins oder selbst gebackenen Kuchen verkaufen, bei Schulveranstaltungen Einnahmen und Spenden für das Projekt verwenden, selbst hergestellten Apfelsafts aus Früchten von der eigenen Streuobstwiese verkaufen oder Pfandflaschen sammeln. Durch diese Aktionen konnten die Schülerinnen und Schüler mittlerweile fast 1500 Euro an das Partnerprojekt in Haiti überweisen. Damit wird den Kleinbauern eine neue Zukunftsperspektive eröffnet. Darüber hinaus betätigten sich die Schülerinnen und Schüler auch als Lobbyisten für ihr Projekt. Sie schrieben Briefe an Politikerinnen und Politiker, trafen sich und diskutierten mit ihnen. So war der Bundestagsabgeordnete Dr. Roy Kühne von der CDU bereits zu Gast in Badenhausen, wie auch die Europaparlamentsabgeordnete Viola von Cramon von den Grünen. Für das Frühjahr 2020 hat sich der Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle von der FDP angekündigt. Die Schülerinnen und Schüler fordern von den Politikerinnen und Politikern eine Erhöhung des Etats für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Insbesondere soll weltweit mehr Geld in Bildung investiert werden. Doch auch in der eigenen Schulgemeinde setzen sich Schülerinnen und Schüler für das Haiti-Projekt ein und informieren über Ausstellungen und Informationsveranstaltungen regelmäßig über das Projekt. Anhand dieses realen Projektes lernen die Schülerinnen und Schüler, welche Auswirkungen ein rücksichtloser Umgang mit der Natur und fehlende Bildung haben können, und erkennen nachhaltige Lösungsmöglichkeiten. Gleichzeitig setzen sie sich für die Eine Welt ein und handeln ökologisch und sozial nachhaltig.

(Fotos Haiti: K. Habermeier/ Misereor; Fotos Schule: Thomas Koch/ Oberschule Badenhausen; Fotos Dr. Roy Kühne: Herma Niemann, Mike Auerbach/ Globale Bildungskampagne; Foto Viola von Cramon: Herma Niemann)